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Erfolgsrezepte: Unser Plan für die Zukunft Bozens

Bald ist es geschafft. In Kürze werden ehemals öffentliche Flächen der Bozner Innenstadt in das Eigentum der Singa Holding übergehen. Doch wie schaffen wir das? Ein paar Einblicke in die Handwerkskunst der Signa-Holding:

Rezepte für stabile Profite unserer Investitionspartner

WIE WIR HINDERNISSE BESEITIGEN

Wir haben immer einen Ass im Ärmel

#1 Wir spielen mit Bürgern und Gemeinderäten

Wir nehmen in Kauf, dass sich Gemeinderäte von uns an der Nase herumgeführt fühlen. Perfekt inszenierte PR-Aktionen gehören zu unserem Portfolio politischer Druckmittel. Dazu zählt der Bluff des 8. August 2014, als wir entgegen einiger vorherigen Aussagen doch noch das Kaufhaus-Projekt einreichten, obwohl uns die Auflagen der Gemeinde zur maximalen Handelsfläche nicht gefielen. Allein der Name und Euphemismus "Kaufhaus" für ein Projekt mit mehr als 250.000m³ zeigt unsere Genialität: Bürger verwechseln unsere gigantische Shoppingmall unweigerlich mit den viel kleineren Kauf- und Warenhäusern aus der Gründerzeit.

Wer uns blind vertraut vermeidet Kopfzerbrechen

#2 Wir stecken alles in eine gigantische „Programmatische Vereinbarung“

Fast niemand kann mit Klarheit sagen, was im Vertragswerk der "Programmatischen Vereinbarung" mit seinen 36 Anhängen und rund 500 A-4 Seiten steht. Es reicht aber, wenn die Bozner Bevölkerung allein unseren Presseaussendungen vertraut. Vielleicht übersieht sie dann, dass sie nicht nur über 30 Mio. € für unsere Tunnel und einen temporären Busbahnhof ausgibt, sondern auch die unvorher-gesehenen Kosten für Bodensanierung und die Entfernung von Kriegsrelikten tragen muss. Dass das "Kaufhaus" gegen den gültigen Bauleitplan der Stadt verstößt oder die in der Ausschreibung festgesetzten Handelsflächen überschreitet, macht uns keine Sorgen. Einmal genehmigt, lässt sich nichts mehr neu verhandeln. Dank der "Lex Benko" darf die Stadt Bozen diese Aspekte niemals einzeln diskutieren und abstimmen.

Unverbindliche Versprechungen lassen sich gut verkaufen

#3 Ablenkungsmanöver

Wir sind Experten in Sachen Greenwashing. So platzieren wir privaten Dachrasen und Begrünung in Behältern auf bepflasterten Boden als äquivalente Alternative zu öffentlichen Parkflächen. Bei uns erreichen neugepflanzte Bäume ihre maximale Größe sofort. Wir besitzen die Dreistigkeit, in den "Kaufhaus"-Renderings Seilbahnen hinzuzufügen, für dessen Bau und Kosten wir nirgends in der "programmatischen Vereinbarung" eine vertragliche Garantie übernommen haben. Sogar über "Virgl-Ufos" mit Dreiecksfahrten zu benachbarten Bergen denken wir laut nach, damit der Bürger sich über den Kern unserer Immobilienspekulation nicht allzu viele Gedanken macht.

Hager und Benko auf Bozens Regierungsbank

#4 Wir pflegen magische Beziehungen zur Politik

Unsere Verbindungen in die Politik sind ein grundlegender Innovationsfaktor. Dies war schon so im "Musterfall für Korruption" von Renè Benko bei seiner rechtskräftigen Verurteilung. Seitdem handeln Politiker jedoch wie durch Magie in unserem Interesse, ganz ohne unser Zutun. So ist es reiner Zufall, dass nach der ersten Vorstellung unseres Projekts in Bozen am 5.3.2013 ein für uns günstiges Gesetzesvorhaben ("Lex Benko") im Landtag auf dem Weg gebracht wurde. Später hat die damalige Gemeinderätin Anna Pitarelli überraschend die Stadtregierung ihrer Partei versenkt, um ein demokratisches Votum zu unserem Projekt zu verhindern. Nachdem unser Projekt aber trotzdem im Gemeinderat abgelehnt wird, sorgt Luigi Spagnolli kurz vor seinem Rücktritt als Bürgermeister dafür, die Ablehnung des Gemeinderats unwirksam zu machen. Mit diesem Glück bleibt unser Investitionsrisiko minimal.

Unser Motto: #stoppstillstand Privatisierung und #stoppwohlstand

#5 Alles ist Degrado und wir sind die Lösung

Bozen ist im Ranking von ilsole24ore die Stadt mit der höchsten Lebensqualität Italiens. Trotzdem gelingt es uns, ein Klima von Angst und Missgunst gegenüber öffentliche Flächen in Bestlage zu schüren. Dazu war es nötig, alle Bewohner der von uns erworbenen Immobilien im Areal aus ihren Wohnungen zu schmeißen und das bis dato erfolgreiche Hotel Alpi zu kaufen, zu schließen und alle Mitarbeiter zu entlassen. Dieser Leerstand und mangelnde Pflege des Bahnhofparkes tun ihr Übriges, damit wir die ganze Zone als verfallen bezeichnen und billig kaufen können. Dass unser Projekt die sozialen Probleme nicht löst, sondern bestenfalls verlagert, ist nicht unser Problem. So vermitteln wir den Leuten glaubhaft und jeder Logik zum Trotz, dass das kleine Bozen unbedingt ein zweites gigantisches Einkaufszentrum braucht.

Der Gewinner muss vorher feststehen

#6 "Bürgerbeteiligung", aber nur bei Null Risiko

Schon nach der öffentlichen Debatte Anfang 2015 haben wir gemerkt, dass Bürgerbeteiligung eine Gefahr für das "Kaufhaus" Bozen darstellt. Kritik sollte besser ignoriert werden. Nachdem der damals neugewählte Bürgermeister Spagnolli den Bürgern "definitiv" ein Referendum zu unserem Projekt verspricht, forden wir seine sofortige Unterschrift und bringen mögliche Schadensersatzklagen ins Gespräch. Erst nach der Ablehnung durch den Gemeinderat und der Einsetzung des Kommissars Penta führt kein Weg mehr vorbei an einem "Referendum". Dies aber nur im Schnelldurchlauf und rein informell. Zu unserem Glück ist laut Penta nur ein "Ja" verbindlich, bei einem "Nein" wird die Entscheidung nur vertagt. Eine klare Win-Win Situation für uns!

Kritiker haben keine Rechte

#7 Wir verklagen jeden

Zur Beeinflussung der Meinungsbildung in unserem Sinne schrecken wir nicht davor zurück, hart durchzugreifen. Wenn die Gemeinde die kurzen Fristen aus der eigens nach uns benannten "Lex Benko" nicht befolgen kann, erhält sie umgehend unsere Mahnschreiben. Wenn Journalisten nicht schreiben, was wir wollen, stellen wir ihnen eine Klage in Aussicht. Da eine versuchte Einmischung in die Berichterstattung oft nicht ausreicht, versuchen wir auf demokratisch gewählter Entscheidungsträger Druck auszuüben. Diese mussten aus Furcht vor legalen Drohungen unsererseits die geheime Abstimmung im Gemeinderat beantragen. Wir versuchen, der Satire den Mund zu verbieten - denn zu Lachen haben wir schon genug. Ungeniert können wir skeptische Personen als "Steigbügelhalter" bezeichnen.